
Je wärmer das Wasser, desto stärker heizt sich die Atmosphäre auf. Erstmals seit Beginn der Messungen ist in diesem Frühjahr die Auftriebsströmung im Golf von Panama ausgeblieben, die das kalte, nährstoffreiche Tiefenwasser an die Meeresoberfläche bringt. Das hat starke Auswirkungen auf das Ökosystem. Über die Gründe für das Ausbleiben rätseln Forscher jedoch ebenso wie über die Frage, ob dies ein einmaliges Ereignis bleiben wird oder als Vorbote für die Entwicklung anderer Meeresströmungen zu sehen ist.
Auch den Klimaforscher Ralf Schiebel vom Max-Planck-Institut für Chemie beschäftigt dieses Vorkommnis. Auf der 22 Meter langen Segelyacht Eugen Seibold, die individuell von YYachts als Forschungsyacht gebaut wurde, erforscht er mit seinem Team die Rolle der Ozeane im Klimasystem und die Auswirkungen der Erderwärmung. Er geht davon aus, dass ein El Niño seinen Anfang im Ozean nimmt.
Ziel der Arbeit ist es, erklärt Schiebel, „möglichst viele Daten und Proben zu sammeln, um das El Niño-Phänomen möglichst komplett und breit zu beschreiben. Wir sammeln biologische, chemische und physikalische Daten wie zum Beispiel CO2-Konzentration in der Atmosphäre und dem Ozean, um zu verstehen, wie das alles zusammenhängt.“ Dank des Einsatzes der Forschungsyacht liegen jetzt erstmals komplette Datensätze zum Klimaphänomen vor.
Seit 2018 segelt die YYacht Eugen Seibold mit einer Besatzung aus zwei Seeleuten und fünf bis sechs Wissenschaftlern über die Weltmeere auf der Suche nach einem tiefgreifenden Verständnis für die zukünftige und auch vergangene Klimasituation. Eine Spezialität der Werft sind in der YCustom Division individuell zugeschnittene Superyachten wie die Eugen Seibold – ein wegen seiner besonderen Anforderungen herausforderndes Projekt, das mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurde.
Trotz ihres schlanken und eleganten Baus wurde diese Hochseesegelyacht für die Navigation in abgelegenen Ozeanen konzipiert. Sie sollte mit kleiner Crew leicht zu handhaben sein und auf See, wo sie viel Wetter ausgesetzt ist, keine Probleme machen. Mit ihrem Rumpf aus Kunststoff und dem extra entwickelten Hybridantrieb eignet sie sich ideal für die kontaminationsfreie Entnahme von Meerwasserproben. Im Reinraumlabor an Bord können sie teilweise direkt vor Ort ausgewertet werden.
Das Instrumentarium und den Betrieb finanziert die Max-Planck-Gesellschaft. Denn obwohl die Eugen Seibold von außen zunächst wie eine Privatyacht anmutet, entpuppt sie sich bei näherem Hinsehen als High-Tech Forschungsyacht, die mit modernster Technik ausgerüstet wurde, um die für Klima und Wetter relevanten Prozesse zu untersuchen. Zum Beispiel wurde in der großen Heckgarage unter dem Arbeitsdeck eine Winde installiert, um Wasserproben aus bis zu 3000 Metern Tiefe zu entnehmen. Ein Entnahmerohr am Kiel ermöglicht die Entnahme von Oberflächenwasserproben während der Fahrt.
Analysiert werden die unterschiedlichen Proben aus Atmosphäre und Wasser, um mehr über den chemischen und biologischen Austausch mit der Atmosphäre zu erfahren. Gemessen werden Werte wie Temperatur, Salzgehalt, Fluoreszenz, Sauerstoffgehalt, Trübung und photosynthetische aktive Strahlung. So wird erhoben, was vom Anfang bis Ende eines El Niño passiert. Die Werner Siemens-Stiftung bezeichnet diese umfassende Datenerhebung und -analyse als „Weltpremiere“. Die Daten fließen in Klimamodelle ein, mit denen simuliert werden kann, wie und ob sich zukünftige El Niños mit steigenden Temperaturen in Meer und Atmosphäre verstärken.
Video: The Eugen Seibold – a sailing yacht for oceanic research
Der Ablauf des El Niño-Phänomens ist bekannt. Über drei bis sieben Jahre baut sich nordöstlich der Philippinen eine Warmwasser-Anomalie auf, der Ozean heizt sich auf. Warmes Wasser ist leichter und dehnt sich aus. Nachdem der daraus entstehende kleine Wasserberg kollabiert, fließt er in Richtung Südamerika ab. Gleichzeitig schwächen sich die Passatwinde ab. Wie sehr einzelne Umweltfaktoren diese Zusammenhänge beeinflussen, sollen die vorliegenden Datensätze zeigen. Die Auswertung der gesammelten Wasser-, Plankton- und Luftproben mit allen Wechselwirkungen und Rückkopplungseffekten zwischen den beteiligten Elementen wird einige Jahre in Anspruch nehmen.
Ob im Zuge dessen auch das Rätsel um die ausgebliebene Auftriebsströmung im Golf von Panama gelöst werden kann?
Eine weitere Y9 – das Flaggschiff von YYachts – hat erfolgreich unsere Werft in Greifswald verlassen.
Read moreNach einer reibungslosen Inbetriebnahme und beeindruckenden Probefahrten unter idealen Bedingungen wurde die Yacht problemlos übergeben.
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